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Was ist eigentlich „Spiritual Humanism“?

Die aktuelle Ausgabe der China Forum Letters beschäftigt sich ausführlich mit dieser Frage Bild: © CCT

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Die Idee des Geistigen Humanismus (Spiritual Humanism) geht zurück auf den renommierten Vertreter des Neuen Konfuzianismus, Tu Weiming. Was diese philosophische Denkrichtung gerade in Zeiten, in denen der interkulturelle Wertedialog von besonderer Bedeutung ist, bewirken möchte, zeigen junge chinesische Vertreter dieser Geistesrichtung in fünf Vorträgen, die vom China Centrum Tübingen initiiert und jetzt auch als Videos auf Youtube erschienen sind.

„Seit Jahrhunderten gibt es einen Austausch zwischen China und Europa. Dabei haben innerchinesische philosophische Entwicklungen westliche Denktraditionen aufgenommen oder sich mit diesen auseinandergesetzt. Hierzu ist auch jener Neue Konfuzianismus zu rechnen, unter dessen Vertretern Tu Weiming einer der namhaftesten ist. Mit seinem Auftritt unter dem Thema Spiritual Humanism auf dem 24. Weltkongress für Philosophie in Peking im Jahre 2018 und der dort gehaltenen Rede hat diese Position verstärkte Aufmerksamkeit gefunden“, schreibt Prof. Dr. Helwig Schmidt-Glintzer, Direktor des China Centrum Tübingen.

Auf Initiative von Dr. Jonathan Keir, Referent Ethische Wertebildung bei der KSG, der von 2018 bis 2020 zwei Jahre als Associate Researcher an der Universität Peking zusammen mit Tu Weiming gearbeitet hat, entstand mit Dr. Anno Dederichs, Koordinator am China Centrum Tübingen, und seinem Kollegen Philip Scherer die Idee, den Kontakt zu den chinesischen Wissenschaftlern und Forschern zu suchen und sie aus ihrer Perspektive beschreiben zu lassen, was den Geistigen Humanismus ausmacht.

„In Zeiten, in denen sehr viel über China geredet wird, fünf jungen chinesischen Humanisten ohne weiteres das Wort zu geben, war der Gedanke“, so Dr. Keir. „Was man vor allem aus diesen Beiträgen lernt, ist, dass man nur dann glaubwürdig über chinesische Werte im 21. Jahrhundert reden kann, wenn man in die Tiefe der chinesischen Geistesgeschichte geht. Genau wie diese Humanisten mit der eigenen, aber auch mit der westlichen Tradition gegangen sind. Sie sind Vorbilder für jeden europäischen Studierenden, der weiß, dass er eigentlich mehr über China, aber auch mehr über Europa wissen sollte. Die Vorträge zeigen, im Grunde, was im Bereich ‚Dialog der Zivilisationen‘ möglich ist, wenn Neugier entsteht.

Die Vorträge im Einzelnen:
Wang Jianbao| undefined Tu Weiming: Werdegang und Gedankensystem
Qiu Chuyuan |undefined Geistiger Humanismus: Humanistische Wurzeln
Chen Maoze | undefined Kulturelles und methodologisches Bewusstsein
Jia Peitao | undefined »Kulturelles China« - Bedeutung und Beitrag
Wu Ruihan | undefined Reflexion der Aufklärung und Dialog der Zivilisationen

Die Beiträge sind im chinesischen Original-Ton mit englischen Untertiteln auf Youtube verfügbar bzw. verschriftlicht in der deutschen Übersetzung in den undefined China Forum Letters.

Eine vertiefende Diskussion zum Thema findet sich als undefinedVideobeitrag bei YouTube.

Das demnächst im Matthes & Seitz Verlag, Berlin, erscheinende Buch „TU WEIMING: MENSCHSEIN LERNEN Entwurf eines Humanismus im konfuzianischen Geist“ von Kai Marchal (Hrsg.) bietet Interessierten einen tiefergehenden Einblick in die Denkweise des zeitgenössischen chinesischen Philosophen und den Weg Chinas zu einem neuen, östlich geprägten globalen Humanismus.

Das China Centrum Tübingen (CCT) regt mit Vorträgen und Veranstaltungen immer wieder zur aktiven Auseinandersetzung mit der chinesischen Kultur insbesondere im Kontext des aktuellen Weltgeschehens an. Alle Veranstaltungen und Termine sind zu finden unter:

undefined www.veranstaltungen.chinacentrumtuebingen.de

Wer Chinas Eliten und ihren moralischen Kompass noch besser verstehen möchte, dem sei „DER EDLE UND DER OCHSE“ von Prof. Dr. Helwig Schmidt-Glintzer, Direktor des CCT, ebenfalls bei undefinedMatthes & Seitz, Berlin erschienen, ans Herz gelegt. Die Lösung unserer globalen Krisen wird nicht zuletzt mithilfe Chinas erfolgen müssen. Der Edle und der Ochse ist eine unverzichtbare Lektüre für unser Verständnis des chinesischen Modernitätsmodell.

Hier geht es zum undefinedInterview von Dr. Jonathan Keir mit  Prof. Dr. Helwig Schmidt-Glintzer zum Buch.