Im Gespräch: „Manchmal waren es kleine Impulse, an anderen Tagen Game Changer“

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Ein Interview mit Naomi Jaguttis, Gründerin und Stipendiatin des Social Impact Lab Stuttgart

 

Ein Kassenzettel für ein Brötchen und eine Brezel: Das behagte Naomi Jaguttis und den beiden anderen „bill.less“-Gründern Katrin Lech und Simon Mändle nicht. Sie beschlossen, diesem unverhältnismäßigen Aufwand mit einer Social-Business-Idee zu begegnen: dem elektronischen Bon. Bei der Entwicklung der Unternehmensstrategie unterstützte sie das Social Impact Lab Stuttgart – ein von der Karl Schlecht Stiftung gefördertes Gründerzentrum, das verantwortungsbewussten Nachwuchsunternehmern mit dem zehnmonatigen „Wirkungsschaffer“-Stipendium unter die Arme greift. Das Stipendium lenkt den Unternehmergeist junger Gründer in die richtigen Bahnen und stärkt ihre Führungskompetenz – so auch bei „bill.less“. Wir haben mit Namoni Jaguttis über ihre Erfahrungen gesprochen.  


Was war für Sie die größte Herausforderung?
Zu Beginn des Stipendiums Anfang 2019 hatte ich noch einen Vollzeitjob. Die Termine im Social Impact Lab kollidierten damit häufig. Wir haben immer versucht, dass zumindest einer aus unserem Team bei den Workshops dabei sein kann, mussten aber trotzdem viel absagen. Es lag auf der Hand, dass wir so Potenzial verschenken. Die logische Konsequenz aus dieser Erkenntnis war für mich die größte Herausforderung: meinen Job zu kündigen, um mich auf die Gründung konzentrieren zu können.

 

Was genau war das Problem, das Sie so dringend lösen wollten?
Seit Anfang des Jahres werden aufgrund eines neuen Gesetzes unzählige Kassenbons gedruckt, die nicht gebraucht werden. In Bäckereien werden beispielsweise 95 Prozent der bereits gedruckten Bons abgelehnt.  Das ist nicht nachhaltig. Gleichzeitig gibt es aber auch Belege, die man nicht verlieren darf, weil man sie für die Steuererklärung braucht oder um eine Gewährleistung in Anspruch zu nehmen. Deshalb haben wir damals beschlossen, mit „bill.less“ den gesamten Prozess zu digitalisieren. Unsere Idee: ein elektronischer Bon in einer App statt eines Papierzettels. 

 

Was ist im Laufe des Stipendiums aus dieser Idee geworden?  
Das „Wirkungsschaffer“-Programm hat uns geholfen, sie zu konkretisieren und daraus ein Geschäftsmodell zu machen. Zu Beginn gab es noch viele offene Fragen: Wer sind unsere Kunden? Wie verdienen wir damit Geld? Die Workshops, der Austausch mit den anderen Stipendiaten und die Gespräche mit den Coaches des Lab haben uns geholfen, Antworten darauf zu finden. Manchmal waren die Anregungen kleine Impulse und an anderen Tagen waren es Game Changer, die alles auf den Kopf gestellt haben.

 

Ist eine Empfehlung besonders im Gedächtnis geblieben?
Viele! Eine Anregung war zum Beispiel total banal und trotzdem so ausschlaggebend: „Denkt doch mal größer und nicht nur so klein“. Diesen Anstoß haben wir damals echt gebraucht.

 

Und wo stehen Sie mit „bill.less“ heute?
Nach eineinhalb Jahren Arbeit ist die App so gut wie fertig. Nun stehen die ersten Pilotprojekte an. Jetzt wird es ernst.

 

Das klingt nach einer spannenden Phase.
Definitiv, wir lernen aktuell sehr viel dazu. Nun geht es wirklich um Geld. Dadurch wird mir immer wieder bewusst, dass die Gründung eines eigenen Unternehmens auch eine finanzielle Unsicherheit mit sich bringt, die ich für mich nie wollte.

 

Was hat Ihre Meinung geändert?
Um ehrlich zu sein: Die grundsätzliche Idee, einmal ein eigenes Unternehmen zu gründen, entstand als Spaß, weil wir uns so gut verstanden haben.

 

Und dann wurde aus Spaß Ernst?
Die wichtigsten Zutaten für eine erfolgreiche Gründung sind ein gutes Team und eine Idee, an die man glaubt. Das Team war da und das Problem mit den Kassenzetteln ist uns schon so oft begegnet. Da haben wir dann einfach beschlossen: „Komm, das lösen wir jetzt“. Dank der Unterstützung des Social Impact Lab haben wird das dann auch durchgezogen. Die Kombination aus familiärem Umfeld, Expertise und persönlicher Unterstützung war wirklich klasse. Ich bin froh, dass wir uns damals mit unserer Idee um das „Wirkungsschaffer“-Stipendium beworben haben.

 

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