Im Gespräch: „Ethik bewusst in Verbindung mit wirtschaftlichen Themen zu setzen, ist für die meisten neu“

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Ein Interview mit Matthias Schmidt, Lehrer im Programm „Die Wirtschafts.Forscher!“

 

Die „Generation Greta“ beweist mit ihren Streiks für das Klima, dass sie die Welt hinterfragt, in der sie lebt. Das von der Karl Schlecht Stiftung geförderte Schulprogramm „Wirtschafts.Forscher!“ setzt genau dort an: Es greift wirtschaftliche Themen, die die Kinder und Jugendlichen berühren, auf, und motiviert die Schüler, diese aus einer ethischen Perspektive zu betrachten – bewusst und systematisch. So fördert das von der PwC-Stiftung initiierte Projekt die ethische Wertebildung. Matthias Schmidt unterrichtet am Friedrich-Schiller-Gymnasium in Ludwigsburg. 2020 nimmt der 36-Jährige schon zum vierten Mal mit seinen Schülern an „Wirtschafts.Forscher!“ teil. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, was sich bei seinen Schülern verändert hat.

 

Was konnten Ihre Schüler vor Programmstart mit dem Begriff „Ethik“ anfangen?
Ich nehme an dem Programm aktuell mit meiner neunten Klasse teil. Da ist der Begriff allen geläufig. Aber Ethik bewusst in Verbindung mit wirtschaftlichen Themen zu setzen, ist für die meisten neu. 

 

Wie reagieren die Schüler auf den Begriff? Interessieren sie sich dafür?
Sagen wir es so: Der Appetit kommt dann doch eher beim Essen – sobald es praktisch wird, sobald sie merken, dass ihnen das Thema gar nicht so fremd ist.

 

Wie wird die ethische Perspektive den Schülern bei „Wirtschafts.Forscher!“ schmackhaft gemacht?
Der Aufhänger des Programms ist dieses Mal die Digitalisierung. Das Interesse daran ist bei den Schülern sehr groß, da sie die Auswirkungen selbst im Alltag spüren. Einige Schüler hinterfragen bereits zu Beginn den Nutzen der Digitalisierung oder stellen die Frage in den Raum, ob einzelne Aspekte ökologisch vertretbar sind –  sie beschäftigen sich intuitiv mit Ethik. All das sammle ich und systematisiere es gemeinsam mit den Schülern. In den vergangenen Jahren fand außerdem zum Auftakt ein Workshop statt, der das Verhältnis von Ethik und Wirtschaft mit jeder Menge Beispielen greifbar und bewusst machte. Das war immer ein Highlight. In diesem Jahr war das etwas anders: Die Schüler lernten bei dem Workshop vor allem, mit dem Wi.Fo!-Lab zu arbeiten. 

 

Was ist das Wi.Fo!-Lab?
Bisher gab es ein Begleitheft. Nun gibt es stattdessen eine Onlineplattform, das Wi.Fo!-Lab. Dort finden die Schüler Materialien: Texte, Statistiken und Karikaturen. Besonders gut gefällt mir, dass ständig neue Inhalte dazukommen. An diesem Materialpool können sich die Schüler dann eigenständig bedienen. Das motiviert.

 

Steht die Selbstständigkeit nun mehr im Fokus?
Genau. Das finde ich gut. Das selbstständige Arbeiten mit dem Wi.Fo!-Lab passt besser zur didaktischen Ausrichtung von „Wirtschafts.Forscher“. Das Programm setzte schon immer auf „Forschendes Lernen“: Die Schüler suchen sich selbst ein Themenfeld aus und organisieren dazu eigene kleine Forschungsprojekte. Dabei helfen ihnen die Materialien. Ich gebe meinen Schülern nur ein paar Fragen mit auf den Weg: „Welche Unternehmen wollt ihr euch genauer ansehen? Welche Aspekte der Digitalisierung interessieren euch besonders?“. Ihre Ergebnisse präsentieren sie dann im Mai auf dem „Economic Youth Summit“ in Frankfurt, der Abschlussveranstaltung des Programms.

 

Und wie funktioniert das bisher?
Vor drei Wochen haben wir mit der Projektarbeit begonnen. Der Elan hat mich sehr beeindruckt. Im nächsten Jahr müssen die Schüler ein Praktikum absolvieren. Deshalb interessieren sie auch die Folgen der Digitalisierung in der Arbeitswelt. Eine Gruppe beschäftigt sich nun mit Supermärkten. Eine andere sieht sich in einer Druckerei um. Und wieder andere Schüler gehen der Frage nach, was Automatisierung mit einem Unternehmen macht. Ich habe das Gefühl, dass alle motiviert sind.

 

Wir wünschen Ihnen, dass Ihre Schüler weiterhin mit so viel Elan dabei sind. 
Danke, das hoffe ich auch. Außerdem hoffe ich natürlich auf gelungene Projekte – gelungen im Sinne von „sich etwas vornehmen und das dann auch konsequent umsetzen“. Die Schüler sollen lernen, sich selbstständig und intensiv mit etwas auseinanderzusetzen.

 

Was soll den Schülern nach dem Programm durch den Kopf gehen, wenn Sie den Begriff „Ethik“ hören?
 „Auf Basis welches Wertes treffe ich meine Entscheidung? Was ist mir wichtiger: Bedürfnisbefriedigung oder rationale Abwägungen?“ – Fragen wie diese wünsche ich mir. Meine Schüler sollen bewusstere Entscheidungen treffen. Dabei helfen ihnen künftig die Erkenntnisse und Erfahrungen aus ihren Forschungsprojekten.