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Die Kulturschulen setzen Segel und nehmen Fahrt auf!

OpenAir Theater der Kulturschule Wittnau © Christoph Reith / Bad. Nachrichten

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Insgesamt 40 Kulturschulen, Netzwerktreffen und zahlreiche Fortbildungen für Schulleitungen, Kulturteams und Lehrkräfte. Viel ist passiert in den vergangenen sechs Monaten! Die Vision der Kulturschule im aktiven Schulalltag nimmt in Baden-Württemberg dank einem tatkräftigen Team immer konkretere Formen an.  

 

Im Februar wurden weitere 18 Schulen ins Landesprogramm Kulturschule Baden-Württemberg aufgenommen. Damit dies nicht nur ein Schild am Schuleingang bleibt, setzte das Kulturschul-Team unter der Leitung von Dr. Katja Brandenburger, Kultusministerium, in den vergangenen Monaten viel auf Schulung und Vermittlung von Kompetenzen. So entwickelte sich im letzten halben Jahr an diesen Schulen viel in Richtung gelebter kulturell-ästhetischer Bildung. Wir sprachen mit Johanna Niedermüller, Kulturschul-Koordinatorin beim ZSL Stuttgart, und Dr. Heiko Wandler, Fortbildungskoordinator, des Landesprogramm Kulturschule Baden-Württemberg beim ZSL Außenstelle Rotenfels.

 

KSG: Frau Niedermüller, was genau machen Sie als Koordinatorin?

Johanna Niedermüller: Das ist sehr vielfältig. Die Schulen müssen sich im Netzwerk ja erstmal zurechtfinden. Als ihre Ansprechpartnerin unterstütze ich sie dabei, indem ich sie berate und punktuell Prozesse begleite. Zudem bilde ich sie im Rahmen des Programms zu den Themen Antragsstellung, Verwendungsnachweis und Erstellen eines Kulturfahrplans fort.

KSG: Herr Wandler, was ist denn alles passiert, seitdem Sie das Thema „Fortbildung im Landesprogramm Kulturschule“ koordinieren?

Heiko Wandler: In den vergangenen Monaten fanden verschiedene Fortbildungen für die Schulleitungen, die Kulturteams, die Kulturbeauftragten und die Lehrkräfte der Kulturschulen statt. Den Auftakt bildete eine Einstiegsveranstaltung für die neuen Kulturschulen:  neben einem Vortrag zu kulturell-ästhetischen Unterricht, ging es darum sich auch vertieft mit dem Programm zu befassen und sich über die Erfahrungen auf dem Weg zur Kulturschule auszutauschen. Die folgenden Fortbildungen für alle Schulen im Landesprogramm widmeten sich den Fragen, wie die „Zukunftsvision Kulturschule“ zum gelebten Alltag werden kann. Wie kulturell-ästhetischer Unterricht gestaltet und wie kulturell-ästhetische Bildung in das Schulleben und in den Unterricht - auch in nicht-künstlerische Fächer - umgesetzt werden kann.

KSG: Was genau verstehen Sie denn unter „Kulturell-ästhetischem Unterricht?“

Johanna Niedermüller:  Kulturell-ästhetischer Unterricht ist ein mehrdimensionaler Unterricht, der sich am Bildungsplan orientiert und durch die Einbeziehung von vielfältigen Methoden in allen Unterrichtsfächern möglichst viele Sinneskanäle anspricht. Die Methoden sind sämtlichen künstlerischen Sparten entliehen und haben nachhaltigere Lernerfolge der Schülerinnen und Schüler zum Ziel.

Das Ganze ist gleichzeitig auch Organisations-, Unterrichts- und Personalentwicklung und ein ganz individueller Prozess für jede Schule. Deshalb lebt das Programm Kulturschule auch vom aktiven Austausch. Im vergangenen Schulhalbjahr gab es über 30 Netzwerktreffen zwischen den Kulturschulen. Im Rahmen dieser Treffen der Schulfamilien (6 Schulfamilien mit 5 bis 10 Schulen) besuchen sich die Schulen gegenseitig. Sie lernen das jeweilige kulturelle Schulprofil ihrer Partnerschulen kennen und tauschen Erfahrungen im Kontext kultureller Schulentwicklung aus und arbeiten gemeinsam an selbst gewählten Schwerpunktthemen.

KSG: Gibt es schon konkrete Beispiele für kultur-ästhetischen Unterricht?

Johanna Niedermüller: Ja klar, das setzen die Schulen sehr unterschiedlich um. Die Fritz-Erler-Schule in Pforzheim verbindet wirtschaftliche Fächer mit Ihrem Theaterschwerpunkt. Schüler*innen entwickeln gemeinsam mit der Lehrkraft, die Wirtschaft unterrichtet und zusätzlich eine theaterpädagogische Ausbildung hat, ein Theaterstück im wirtschaftlichen Kontext. Die Schüler*innen kümmern sich um die Kalkulation, Akquise, das Ticketing, wenden somit ihr wirtschaftliches Knowhow in der Praxis an und stehen selbst auf der Bühne. Und das Friedrich-Schiller-Gymnasium, Ludwigsburg, setzt in Kooperation mit der benachbarten Kunstschule Labyrinth, und im Tandem mit Künstlerinnen und Künstlern kulturell-ästhetischen Unterricht im Fach Bildende Kunst um. Außerdem werden Fachinhalte und Fragestellungen auch in den Fächern Mathematik, Naturwissenschaften, Sprachen oder Gesellschaftswissenschaften künstlerisch aufgegriffen. Im Fach Technik wiederum verfolgt die Tulla-Realschule in Mannheim mit dem Projekt "Brückenverbindungen" das Ziel, dass die Schüler*innen sich künstlerisch handelnd mit dem Thema „Brückenbau“ auseinanderzusetzen. Sie sollen es nicht nur von einer rein bautechnischen Ebene erschließen, sondern auch den Zusammenhang zwischen Ästhetik und Technik verstehen können. Die künstlerische Leitung und Durchführung des Projektes übernimmt eine Künstlerin, die als Dozentin am Karlsruher Institut für Technik und Mitarbeiterin am ZKM tätig ist.

 
KSG: Wow, das ist sehr beeindruckend und anschaulich! Auf der einen Seite geht es also darum Strukturen und Know-How bei der Institution Schule und Lehrenden zu schaffen und zum anderen ins konkrete Tun zu kommen. „Liebe zum Tun“ ist ja eines der Lieblingsthemen unseren Stifter. Wie geht es denn nach den Sommerferien weiter?

Heiko Wandler: Wir sind schon in der Planung eines großen Treffens aller Schulen im September. Hier stehen der gemeinsame Austausch und das Lernen voneinander im Vordergrund. Dazu gibt es einen moderierten Informationsaustausch zwischen den Kulturschulen etwa über Erfahrungen bei der Umsetzung, über Best-Practice-Beispiele sowie über Gelingensbedingungen auf dem Weg zur Kulturschule. Innerhalb dieses Treffens wird auch eine Fortbildung zum Thema „Fundraising“ angeboten.


Johanna Niedermüller:  Ein Teil des Schulnetzwerks wird ab Herbst mit der Methode "Lesson Study" arbeiten. Dabei wird "kulturell-ästhetischer Unterricht" in einem geschützten Rahmen erprobt und im Hinblick auf die Wirkung beim Lernen der Schülerinnen und Schüler ausgewertet. Unterstützt werden die Schulen dabei von dem Lesson Study Experten Herr Roland Knoblauch.

KSG: Wir sagen herzlich Danke, dass Sie uns so viele Einblicke in Ihre Arbeit geben! Wir freuen uns sehr, dass die Kulturschulen in Baden-Württemberg dank Ihres Engagements so richtig Fahrt aufnehmen und sind sehr gespannt zu erfahren, wie es weitergeht.

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