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Das Material der Sinne

(c) KufE

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Das Projekt „KufE – Kunst fördert Entwicklung“ an den drei Grundschulen Grötzingen, Aich und Neuenhaus in Aichtal fördert Schüler von der 1. bis 4. Klasse in ihrer Persönlichkeit mit Hilfe kunsttherapeutischer Mittel.

Dabei spielen haptische Erfahrungen eine große Rolle, denn diese sind essentiell für Lernprozesse, sowie für die Herausbildung der Persönlichkeit - von Kindesbeinen an. Auch die Neurowissenschaft unterstreicht, wie eng motorische Fähigkeiten mit der Ausbildung kognitiver Fähigkeiten verbunden sind. Sich herantasten, (be)greifen, handhaben, vorangehen, auf dem Laufenden sein… schon in der Alltagssprache wimmelt es von Begriffen, die diesen Zusammenhang formulieren.

Wir sprachen mit Frau Giulia Calamia, Kunsttherapeutin und Projektleiterin von „KufE“ über ihre Arbeit mit den Kindern und einem besonderen Material, das im Projekt KufE für eben diese Erfahrungen eine wichtige Rolle spielt: Ton.

„Eine anfängliche Schüchternheit lässt sich manches Mal beobachten: dieses weiche, leicht glitschig-matschige Material, das sich Ton nennt und sich so ungewohnt zwischen den Fingern anfühlt. Es macht dreckig. ‚Darf ich das? Ja du darfst!‘ Die Schüchternheit verschwindet meist recht schnell, öfter noch zeigt sie sich gar nicht erst. Dann wird direkt mit Lust und Kraft in die weiche, bräunlich-rote Masse hineingegriffen. Mit den Händen ein Stück herausgerissen oder mit der Spachtel ein ordentlicher, glatter Schnitt gemacht.

Und dann? ‚Mhm, was soll ich denn jetzt daraus machen?‘ Meist wissen die Hände schon Bescheid. Der Kopf kann sich für einen Moment zurücknehmen und die Hände beginnen zu fühlen, zu kneten, zu streichen, zu rollen, zu formen und dann kommt der Kopf wieder ins Spiel und hat plötzlich eine Idee und die Hände können dieser Idee folgen.  Das Bild im Kopf erfährt eine Formung durch die Kinderhände, die etwas gestalten, das dem Kind dann als Gegenüber begegnen kann. ‚Hallo du.‘ Die Haptik spielt eine große Rolle. Die Empfindungen werden auch oft benannt: ‚Wie kalt! Wie nass! Wie weich! Wie glatt!‘

Der Prozess beginnt und es entsteht etwas, das bleibt. Ton trägt eine sehr breite Palette von Gemüts-Zuständen in sich: zu Beginn noch weich und formbar, wird er schnell trocken im Kontakt mit den warmen Händen der Kinder. Während der Trocknung zeigt er sich äußerst empfindlich und kann nur allzu leicht zerbrechen. Hat er den Transfer in den Brennofen geschafft, wird aus ihm ein Stück so fest und hart wie Stein, dem so leicht nichts mehr anzuhaben ist. In diesen Prozess begeben sich auch die Kinder und gehen mit jedem Zustand mit. So eigen die Eigenschaften des Tons sind, so verzeiht er doch auch viel, lässt Fehler zu und Unsicherheiten, Veränderungen und Umentscheidungen. Das entlastet die Kinder, lädt sie immer wieder ein dem Material zu begegnen, sich auseinanderzusetzen, zu begreifen – im Greifen. Die Freude über das gebrannte Stück ist groß! ‚Das habe ich gemacht!' Diese Selbstwirksamkeit wirkt.

Kein Wunder also, dass so viele Kinder so gerne mit dem Material der Sinne arbeiten und das zeigen auch die Ergebnisse.“

Wir sagen danke für diesen wunderbaren Einblick!

Die KSG fördert das Projekt KufE inAichtal seit 2014 weil wir davon überzeugt sind, dass die kunsttherapeutischen Methoden den klassischen Unterricht optimal ergänzen und einen wichtigen Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung von Kindern leisten.